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Motivation
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Motivation bezeichnet die Bereitschaft von Menschen und Tieren âzu einem bestimmten Verhalten. Sie wird von einer Vielzahl von inneren, äuĂeren und hormonellen Faktoren bestimmtâcite-ref-1[1] und umfasst beim Menschen die Gesamtheit aller Motive und BeweggrĂźnde, die zum Handeln fĂźhren, und das auf emotionale und neuronale Aktivitäten zurĂźckzufĂźhrende Streben nach Zielen oder wĂźnschenswerten Zielobjekten.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Motivationszustände werden allgemein als Kräfte verstanden, die im Handelnden wirken und eine Disposition zu zielgerichtetem Verhalten erzeugen. Es wird oft angenommen, dass verschiedene mentale Zustände miteinander konkurrieren und dass nur der stärkste Zustand das Verhalten bestimmt.cite-ref-4[4] Das bedeutet, dass man motiviert sein kann, etwas zu tun, ohne es tatsächlich zu tun. Der paradigmatische Geisteszustand, der Motivation bewirkt, ist die Begierde. Aber auch verschiedene andere Zustände, wie Glaubenshaltungen darĂźber, was man tun sollte, oder Absichten, kĂśnnen motivieren. Die Umsetzung von Motiven in Handlungen nennt man Volition.cite-ref-5[5]
Es wurden verschiedene konkurrierende Theorien Ăźber den Inhalt von Motivationszuständen aufgestellt. Sie werden als Inhaltstheorien bezeichnet und versuchen zu beschreiben, welche Ziele Menschen normalerweise oder immer motivieren. Die BedĂźrfnishierarchie von Abraham Maslow und die ERG-Theorie zum Beispiel gehen davon aus, dass Menschen bestimmte BedĂźrfnisse haben, die fĂźr die Motivation verantwortlich sind. Einige dieser BedĂźrfnisse, wie solche nach Nahrungsmitteln und Wasser, sind grundlegender als andere BedĂźrfnisse, etwa dasjenige nach dem Respekt von anderen. Nach dieser Auffassung kĂśnnen die hĂśheren BedĂźrfnisse erst dann Motivation hervorrufen, wenn die niederen BedĂźrfnisse befriedigt sind.cite-ref-6[6] Behavioristische Theorien versuchen, Verhalten ausschlieĂlich durch die Beziehung zwischen der Situation und dem äuĂeren, beobachtbaren Verhalten zu erklären, ohne explizit auf bewusste mentale Zustände Bezug zu nehmen.
Motivation kann entweder intrinsisch oder extrinsisch sein. Ersteres ist der Fall, wenn die Aktivität vom Handelnden deshalb angestrebt wird, weil sie ihm als an sich selbst interessant oder angenehm erscheint, letzteres, wenn das Ziel des Handelnden eine Belohnung ist, die sich von der Aktivität selbst unterscheidet.cite-ref-ryan-2000-7-0[7]cite-ref-radel-2016-8-0[8] Es ist zugunsten der intrinsischen Motivation das Argument vorgebracht worden, dass sie zu besseren Ergebnissen fßhrt als extrinsische Motivation.cite-ref-radel-2016-8-1[8] Theorien definieren hierbei intrinsisch aber unterschiedlich.cite-ref-1-9-0[9] Motivationszustände kÜnnen auch danach kategorisiert werden, ob der Akteur sich seiner Beweggrßnde voll bewusst ist oder nicht: man unterscheidet demnach bewusste und unbewusste Motivation. Motivation steht in engem Zusammenhang mit der praktischen Rationalität. Diese setzt nach allgemeiner Vorstellung voraus, dass man genau dann zu einer Handlung motiviert ist, wenn man glaubt, dass man sie ausfßhren sollte. Ist jene grundlegende Voraussetzung nicht erfßllt, so resultiert daraus irrationales Handeln, das als Akrasia oder Willensschwäche bekannt ist und von einer Diskrepanz zwischen den tatsächlichen und den als angebracht betrachteten Handlungen gekennzeichnet ist.
Motivationsforschung wird in verschiedenen Bereichen betrieben. Von wirtschaftlichem Interesse etwa ist insbesondere die Frage nach der âArbeitsmotivationâ von Angestellten und nach den MaĂnahmen, durch die sie sich vom Arbeitgeber steigern lässt. Motivation ist wegen ihrer entscheidenden Rolle beim Lernen auch fĂźr Erziehungspsychologen von besonderer Bedeutung. Spezielles Interesse gilt in diesem Bereich den Auswirkungen von intrinsischer und extrinsischer Motivation.
Contents
⢠Definition
⢠Geschichte
⢠Inhaltsmodelle
⢠Prozessmodelle
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Belege
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Definition
Die Bezeichnung Motivation ist auf das lateinische Verb movere (bewegen, antreiben) zurĂźckzufĂźhren.cite-ref-10[10] Motivation wird allgemein definiert als das, was erklärt, warum Menschen oder Tiere zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Verhalten einleiten, fortsetzen oder beenden.cite-ref-kazdin-11-0[11]cite-ref-management-12-0[12]cite-ref-13[13]cite-ref-filipp-14-0[14] In der Motivationspsychologie versteht man unter Motivation die aktivierende âAusrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiv bewerteten Zielzustandâ.cite-ref-15[15]
Motivationszustände treten in verschiedenen Stärkegraden auf. Je hÜher der Grad, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Zustand einen Einfluss auf das Verhalten nimmt.cite-ref-meleprecis-16-0[16] Dies wird oft mit Kräften assoziiert, die innerhalb des Handelnden agieren und so zu zielgerichtetem Verhalten fßhren.cite-ref-management-12-1[12]cite-ref-britannica-17-0[17] Ein Problem bei der Definition von Motivation ßber innere Kräfte besteht darin, dass es sehr schwierig ist, diese zu messen, weshalb empirisch orientierte Theoretiker oft Definitionen bevorzugen, die stärker mit beobachtbarem Verhalten verbunden sind.cite-ref-mele7-18-0[18]cite-ref-britannica-17-1[17] Ein Ansatz besteht darin, Motivation im Hinblick auf die Flexibilität des Verhaltens des Tieres zu definieren. Diese Flexibilität beinhaltet zielgerichtetes Verhalten, das sich ändert, wenn das Tier durch neue Erfahrungen lernt.cite-ref-meleintro-19-0[19] Ratten zum Beispiel kÜnnen lernen, komplizierte Labyrinthe zu durchqueren, um ihren Hunger zu stillen. Das Fressverhalten von Fliegen hingegen ist nicht flexibel in diesem Sinne. Aus dieser Sicht ist es berechtigt, Ratten Motivationszustände zuzuschreiben, Fliegen jedoch nicht.cite-ref-meleintro-19-1[19] Es wurde aber auch argumentiert, dass es Fälle von Motivation ohne flexibles Verhalten gibt. Eine vÜllig gelähmte Person kÜnnte zum Beispiel immer noch eine Motivation haben, obwohl sie nicht in der Lage ist, ein Verhalten auszufßhren. Das bedeutet, dass Flexibilität zwar ein hinreichendes, aber kein notwendiges Merkmal von Motivation sein kann.cite-ref-meleintro-19-2[19] Einige Definitionen betonen die Kontinuität zwischen menschlicher und tierischer Motivation, während andere eine klare Unterscheidung zwischen den beiden treffen. Letzteres rßhrt oft von der Auffassung, dass menschliche Akteure aus Grßnden handeln und sich auf die von ihnen gebildeten Absichten festlegen, während Tiere einfach nur ihrer stärksten Begierde folgen.cite-ref-miller-20-0[20]cite-ref-britannica-17-2[17] Kausalistische Definitionen betonen den kausalen Zusammenhang zwischen der Motivation und dem daraus resultierenden Verhalten. Nicht-kausalistische Definitionen hingegen gehen davon aus, dass die Motivation das Verhalten auf eine nicht-kausale Weise erklärt.cite-ref-meleprecis-16-1[16]cite-ref-meleintro-19-3[19]cite-ref-21[21]
Motivation und Emotion
Die Bezeichnungen Motivation und Emotion sind etymologisch eng miteinander verwandt. Auch inhaltlich haben Emotionen viel mit motivationalen Zuständen gemeinsam. âWie Motive energetisieren und organisieren Emotionen Verhalten: Zorn motiviert Vergeltung, Ekel motiviert ZurĂźckweisung und Angst motiviert Vermeidungâ.cite-ref-22[22] âIndem Emotionen signalisieren, ob etwas gut oder schlecht, gefährlich oder harmlos ist, und mit welcher allgemeinen Klasse von Verhaltensweisen (z. B. Flucht, Verteidigung) darauf reagiert werden sollte, spielen sie eine zentrale Rolle bei der Motivation zielgerichteten Verhaltensâ.cite-ref-23[23] Als frĂźh entwickelte, âvorrationale Steuerungsmechanismenâcite-ref-24[24] ermĂśglichen sie schnelle, adaptive Verhaltensreaktionen.
Hermann Hobmaircite-ref-25[25] setzt z. B. Emotionen und Motivation gleich, da er beide Faktoren als psychische Kräfte, also die Antriebsformen des Menschen, definiert. Er umschreibt diese Kräfte mit den Befindlichkeiten des Menschen, aber auch von dessen Aktivwerden. Emotionen definiert er als âseelische Befindlichkeiten, kĂśrperliche Zustände und Emotionen, die das Verhalten beeinflussenâ. Motivation sei âein von Motiven gesteuerter Prozess des Angetriebenseinsâ. Hobmair betont, dass Emotion und Motivation eng miteinander verbunden sind und keine verschiedenen psychischen Prozesse darstellen, wie zuvor oftmals angenommen. Er zitiert in seinem Werk unter anderem aus Nolting/Paulus, 2002, S. 55: âDerselbe psychische Vorgang hat⌠sowohl eine Befindlichkeitsseite als auch eine Antriebs- bzw. Zielseite; und je nachdem, welche Seite man betonen will, spricht man von Emotion/GefĂźhl bzw. von Motivation.â
Zusammenfassend kann man diese Beziehung wie folgt darstellen:cite-ref-26[26] Die Aktivierung (zentralnervĂśser Systeme) ist Voraussetzung jeglicher Handlungen. Kommen zu dieser inneren Erregung angenehme oder unangenehme Empfindungen hinzu, handelt es sich um eine Emotion (âIch fĂźhle mich wohl oder unwohlâ). Wird eine Emotion mit einer Zielorientierung verknĂźpft, handelt es sich um ein Motiv. Während es sich bei einem Motiv um eine Ăźberdauernde, latente Disposition (Handlungsbereitschaft) handelt, bezeichnet der Begriff Motivation den Prozess der Aktivierung (auch: Aktualisierung) eines Motivs. Diese Aktivierung oder Umsetzung von Motiven nennt man in der neueren Motivationsforschung auch Volition.cite-ref-27[27]
Geschichte
Motivation als zielgerichtetes Verhalten wurde zunächst genetisch, also durch angeborene Instinkte erklärt. Beispiele sind der Saug- oder Greifreflex eines Neugeborenen (FrĂźhkindlicher Reflex). Im Laufe der Zeit wurden rund 6000 âInstinkteâ zusammengetragen und hierarchisch gegliedert. Derartige Typologien allein kĂśnnen allerdings das Verhalten nicht erklären. Deswegen folgten Theorien, die auf dem Paradigma der HomĂśostase basieren und das BedĂźrfnis in den Vordergrund rĂźckten (drive-reduction theories). Demnach entsteht Motivation durch das BedĂźrfnis, ein physiologisches Gleichgewicht wiederherzustellen. Beispiele sind Hunger, Durst und Fortpflanzung; das Verhalten wurde somit auf BedĂźrfnisbefriedigung zurĂźckgefĂźhrt. Motiviertes Verhalten existiert allerdings auch dann, wenn physiologische BedĂźrfnisse bereits befriedigt sind. Daher wurden Anreiz- oder Aktivierungstheorien entwickelt. Motivation resultiert ihnen zufolge aus dem Bestreben nach âoptimaler Aktivierungâ (von Emotionen).cite-ref-28[28] Diese sind wiederum definiert als psychophysische Reaktionen, die mit der Aktivierung zentralnervĂśser Systeme einhergehen.cite-ref-29[29] Beispiel: Fragt man einen Bergsteiger, was ihn dazu motiviert, einen (anstrengenden und gefährlichen) Gipfel zu erklimmen, dĂźrfte seine Antwort lauten: âEinfach weil der Berg da istâ. Dies ist zugleich ein Beispiel fĂźr gelernte Motive.cite-ref-30[30]
Die bedeutendsten Meilensteine der Geschichte von Motivationstheorien fassten Richard Steers Co-Autorencite-ref-31[31] 2004 zusammen:
⢠Im antiken Griechenland hat man versucht, das menschliche Verhalten und seine Beweggrßnde mit dem Prinzip des Hedonismus zu erklären. Demnach liegt es in der Natur des Menschen, Vergnßgen oder Lust anzustreben und Unlust oder Schmerz zu vermeiden. Der griechische Philosoph Aristippos, Schßler des Sokrates, sah in diesen subjektiven Empfindungen den wichtigsten Erkenntnisgrund fßr menschliches Verhalten.
⢠Eine Weiterentwicklung dieser Ăberlegungen waren die Ansätze des Utilitarismus von Jeremy Bentham und John Stuart Mill. Mit dem Aufkommen der (wissenschaftlichen) Psychologie im 19. Jahrhundert versuchte man, die GrĂźnde und Ursachen des Verhaltens mit mehr oder weniger bewussten Instinkten und Trieben zu erklären.
⢠Am bekanntesten ist die Theorie von Sigmund Freud. Er stellte die Libido als Lebenstrieb (psychische Energie) in den Vordergrund seines Konzeptes. Dieser Trieb (aus dem Es) lenkt je nach internen und externen Rahmenbedingungen (Ich und Ăberich) die Wahrnehmung und das Verhalten des Menschen.
⢠William James und William McDougall, Zeitgenossen Freuds, fanden zahlreiche weitere Instinkte oder Grundbedßrfnisse wie zum Beispiel Bewegungsdrang, Neugier, Harmoniestreben, Eifersucht, Sparen, Wissbegierde, Familie, Ordnung, Spiel, Sex, Kontakt, Aggression, Leistung oder Sympathie.cite-ref-32[32]
⢠Weil die Konzepte von Freud und James das menschliche Verhalten mangels Validität nicht hinreichend erklären konnten, entstanden in den 1920er Jahren zahlreiche Ansätze der erlernten Motive, die das Verhalten durch Bestrafungs- und Belohnungsmechanismen steuern. Eine bedeutende Weiterentwicklung erfolgte in den 1950er Jahren durch Burrhus Frederic Skinner. Demnach erlernen Menschen durch Prozesse der positiven und negativen Verstärkung im sozialen Umfeld sowohl bestimmte Motive als auch Verhaltensweisen, die zur Befriedigung dieser Motive beitragen. Diese verfestigen sich als Schemata oder Gewohnheiten und machen das Verhalten erklärbar und voraussagbar. Dies dĂźrfte ein wesentlicher Grund dafĂźr sein, dass die aus den verhaltenswissenschaftlichen Konzepten entwickelte Kognitive Verhaltenstherapie die grĂśĂten Erfolge bei der Behandlung psychischer StĂśrungen empirisch nachweisen kann.cite-ref-33[33]
Nach dem Aufkommen der so genannten Humanistischen Psychologie Anfang der 1950er Jahre als der âdritten Kraftâ neben der Tiefenpsychologie (Freud) und dem Behaviorismus (Skinner) entstanden zwei Theorien, die heute wegen unzureichender (empirischer) Validität als (wissenschaftlich) gescheitert gelten (gleichwohl sind sie allgemein bis heute recht bekannt):
⢠die Theorie der Motivation von Abraham Maslow und
⢠die Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg aus den 1960er Jahren; sie ist ebenfalls den so genannten Inhaltstheorien der Motivation zuzuordnen (gleiches wissenschaftstheoretisches Prinzip wie bei Freud, James und McDougall).cite-ref-34[34]
steven-reiss Als weiteres Modell dieser Art kam im Jahr 2000 die Taxonomie des US-amerikanischen Psychologen Steven Reiss (1947â2016) hinzu. Es ist
⢠die âTheorie der 16 Lebensmotiveâ (auch âReiss-Profileâ genannt).cite-ref-35[35] Wie andere Taxonomien kann dieses Konzept das Verhalten nicht erklären oder voraussagen und beruht auf dem Barnum-Effekt. Demnach sind die Motive derart vage formuliert, dass sich jeder heraussuchen kann, was auf ihn zutrifft, und er hat nach dem Test das GefĂźhl, seine Person sei präzise beschrieben worden.cite-ref-36[36]
In den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden so genannte Prozesstheorien der Motivation. Zu den bekanntesten gehĂśrt das Modell von Lyman W. Porter und Edward E. Lawler (siehe Abbildung). Demnach ist die persĂśnliche Anstrengung (Motivation) vom Wert der erwarteten Belohnung und von der Erfolgswahrscheinlichkeit der Handlung abhängig. Je nach Fähigkeit und Rollenwahrnehmung fĂźhrt die Anstrengung zu bestimmten Leistungen (Ergebnissen). Wenn äuĂere und innere Belohnungen hinzukommen, steigt die Zufriedenheit, die wiederum zu neuen Leistungen antreibt.cite-ref-37[37] Zum besseren Verständnis sei betont, dass dem Modell von Porter und Lawler das Prinzip des Erwartungswertes zugrunde liegt: Handlungen entstehen durch WĂźnsche nach bestimmten Sachverhalten (WertĂźberzeugungen) und Ăberzeugungen Ăźber Handlungen, die geeignet erscheinen, diese WĂźnsche herbeizufĂźhren (Mittel-Ăberzeugungen). Folglich wählen Menschen unter mehreren Handlungsalternativen diejenigen aus, die den hĂśchsten Erwartungswert haben.cite-ref-38[38]
Seit der ersten Publikation dieser Theorie kam es zu einer fast unĂźberschaubaren FĂźlle von Untersuchungen zu diesem Thema. Eine abschlieĂende Einschätzung dieser Diskussion erscheint kaum mĂśglich. Dennoch lassen sich zwei Forschungsschwerpunkte identifizieren:cite-ref-39[39]
1. Die lange Zeit vernachlässigte Untersuchung von mehr oder weniger unbewussten Emotionen, Motiven und Inhalten des emotionalen Gedächtnisses scheint durch Fortschritte der bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung an Interesse zu gewinnen. Diesen Trend kĂśnnte man durch die Weiterentwicklung der klassischen projektiven und introspektiven Verfahren unterstĂźtzen.cite-ref-40[40] Der wesentliche Grund dafĂźr, dass man dieses Gebiet in der Forschung der letzten 20 Jahre weitgehend ausgeklammert hat, besteht darin, dass kein verlässlicher Zugang zum Unterbewussten existiert. Man muss den âUmwegâ Ăźber das Gedächtnis nehmen, und dieses ist äuĂerst unzuverlässig: Nach etwa drei Jahren sind rund 70 Prozent der Gedächtnisinhalte entweder verloren oder (durch begleitende Emotionen) âverfälschtâ, weil Erinnerungen durch fehlerbehaftete Prozesse der Kodierung, Speicherung und Decodierung (re)konstruiert werden. Joseph LeDoux spricht deshalb von den âseven sins of memoryâ.cite-ref-41[41]
2. Die zweite Forschungsrichtung konzentriert sich auf den Prozess der Umsetzung von Motiven oder Absichten in Handlungen im Rahmen der Theorien zur Selbstregulation (Volition).cite-ref-42[42] Konkretisierungen dieses Konzeptes existieren in der Psychologie (siehe Volition (Psychologie)) und in der Managementwissenschaft (siehe Volition (Management)). Im Vordergrund steht dabei die Frage, wie man die Willenskraft und bestimmte Kompetenzen entwickeln kann, um (nicht messbare und meist unbewusste) Motive in beobachtbare und damit messbare Handlungen umzusetzen (siehe Umsetzungskompetenz).cite-ref-43[43] Damit bekommt die Motivationsforschung eine pragmatische Wende â hin zur LĂśsung konkreter menschlicher Probleme in der Psychologie und im Management.cite-ref-44[44] Beispielsweise haben June Tangney und Co-Autoren herausgefunden, dass Menschen mit Ăźberdurchschnittlichen Selbstregulierungs- oder Umsetzungskompetenzen weniger unter Stress leiden, ein hĂśheres Selbstvertrauen besitzen und seltener von Ess-StĂśrungen oder ĂźberhĂśhtem Alkohol- und Drogenkonsum betroffen sind; ihre persĂśnlichen Beziehungen sind besser, und sie sind beruflich erfolgreicher.cite-ref-45[45]
Motivation und mentale Zustände
Motivation ist das, was erklärt, warum Menschen oder Tiere ein bestimmtes Verhalten zu einem bestimmten Zeitpunkt einleiten, fortsetzen oder beenden.cite-ref-kazdin-11-1[11]cite-ref-filipp-14-1[14] Behavioristen haben versucht, solche Erklärungen ausschlieĂlich Ăźber die Beziehung zwischen der Situation und dem äuĂeren, beobachtbaren Verhalten zu geben. Aber dasselbe Lebewesen verhält sich oft anders, obwohl es sich in der gleichen Situation wie zuvor befindet. Dies deutet darauf hin, dass die Erklärung auf interne Zustände der Entität Bezug nehmen muss, die die Verbindung zwischen Reiz und Reaktion vermitteln.cite-ref-meleintro-19-4[19]cite-ref-mele1995-46-0[46] Unter diesen internen Zuständen sind Psychologen und Philosophen vor allem an mentalen Zuständen interessiert. Der paradigmatische mentale Zustand, der Motivation zur Folge hat, ist die Begierde. Es wurde jedoch argumentiert, dass verschiedene andere Zustände, wie Glaubenshaltungen darĂźber, was man tun sollte, oder Absichten, ebenfalls motivierend wirken kĂśnnen.cite-ref-mele1995-46-1[46]cite-ref-miller-20-1[20]
Eine wichtige Unterscheidung ist die zwischen Zuständen, die Motivation liefern, wann immer sie bestehen, manchmal als âessentiell motivations-konstituierende Haltungenâ (essentially motivation-constituting attitudes) bezeichnet, während andere Zustände Motivation nur in Abhängigkeit von bestimmten Umständen oder anderen Zuständen liefern.cite-ref-mele1995-46-2[46]cite-ref-framarin-47-0[47] Es wurde argumentiert, dass eine Begierde, eine Handlung auszufĂźhren, eine sogenannte Handlungsbegierde (action-desire), immer Motivation liefert.cite-ref-mele1995-46-3[46]cite-ref-framarin-47-1[47] Dies ist sogar dann der Fall, wenn der Handelnde sich gegen die AusfĂźhrung der Handlung entscheidet, weil andere dringlichere Probleme vorliegen.cite-ref-meleintro-19-5[19] Eine instrumentelle Glaubenshaltung dazu, wie ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist, erzeugt dagegen nur in Abhängigkeit davon Motivation, dass der Handelnde dieses Ziel gerade hat. Man kann sich auĂer Handlungen viele andere Dinge wĂźnschen, z. B. dass die eigene LieblingsfuĂballmannschaft ihr nächstes Spiel gewinnt oder dass der Weltfrieden hergestellt wird.cite-ref-mele1995-46-4[46] Ob diese WĂźnsche motivierend wirken, hängt unter anderem davon ab, ob der Handelnde die Fähigkeit besitzt, zu ihrer Verwirklichung beizutragen. Während einige Theoretiker die Idee akzeptieren, dass Begierden fĂźr die Motivation wesentlich sind, haben andere argumentiert, dass man auch ohne Begierden handeln kann.cite-ref-mele1995-46-5[46]cite-ref-framarin-47-2[47] Die Motivation kĂśnne stattdessen z. B. auf rationalen Ăberlegungen beruhen. Nach dieser Ansicht ist die Hinnahme einer schmerzhaften Wurzelkanalbehandlung in den meisten Fällen durch Ăberlegung motiviert und nicht durch eine Begierde nach der Behandlung.cite-ref-mele1-48-0[48] Begierde ist also mĂśglicherweise fĂźr die Motivation nicht unbedingt erforderlich.cite-ref-framarin-47-3[47] Aber es steht den Gegnern der These, dass es Motivation ohne Begierde gibt, offen, die Darlegung solcher Beispiele abzulehnen. Stattdessen kĂśnnen sie argumentieren, dass die Teilnahme an der Wurzelkanalbehandlung in gewissem Sinne begehrt wird, auch wenn zugleich eine sehr lebhafter Widerwille dagegen vorhanden ist.cite-ref-mele1-48-1[48]cite-ref-mele1995-46-6[46]
Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die zwischen okkurrenten und stehenden Begierden (occurrent and standing desires). Okkurrente Begierden sind entweder bewusst oder anderweitig kausal aktiv, im Gegensatz zu stehenden Begierden, die irgendwo im Hinterkopf existieren. Wenn Dhanvi zum Beispiel damit beschäftigt ist, ihre Freundin davon zu ßberzeugen, dieses Wochenende wandern zu gehen, dann ist ihre Begierde zum Wandern okkurrent. Aber viele ihrer anderen Begierden, wie z. B. ihr altes Auto zu verkaufen oder mit ihrem Chef ßber eine BefÜrderung zu sprechen, sind während des Gesprächs bloà stehende Begierden. Nur okkurrente Begierden kÜnnen als Motivationsquelle dienen.cite-ref-mele1-48-2[48]cite-ref-49[49]cite-ref-bartlett-50-0[50] Aber nicht alle okkurrenten Begierden sind bewusst. Dies lässt die MÜglichkeit einer unbewussten Motivation offen.cite-ref-gale-51-0[51]cite-ref-bartlett-50-1[50]
Stärke des Begehrens und Handlung
Einige Theoretiker, oft solche aus einer humeanischen Tradition, bestreiten, dass andere Zustände als Begierden motivieren kÜnnen.cite-ref-miller-20-2[20] Wenn eine solche Ansicht mit der Idee kombiniert wird, dass Begierden in Graden auftreten, kann dies zu der These fßhren, dass man immer seiner stärksten Begierde folgt.cite-ref-mccann-1995-chpt-7-52-0[52]cite-ref-mele7-18-1[18] Diese Theorie lässt sich dahingehend modifizieren, dass man immer dem Handlungsverlauf mit der hÜchsten Nettomotivationskraft folgt. Daraus lassen sich Fälle erklären, in denen mehrere schwächere Begierden alle denselben Handlungsverlauf empfehlen und zusammen die stärkste Begierde ßbertrumpfen.cite-ref-broome-53-0[53]cite-ref-mele7-18-2[18] Gegen diese These wurden verschiedene Arten von Einwänden erhoben. Einige stßtzen ihre Argumente auf die Annahme eines freien Willens, was bedeutet, dass es dem Handelnden ßberlassen ist, was er tut. Aus dieser Sichtweise ist es natßrlich, einen Standpunkt abzulehnen, bei dem das Verhalten durch Begierden und nicht durch den Handelnden selbst bestimmt wird.cite-ref-mele7-18-3[18]cite-ref-54[54] Andere verweisen auf Gegenbeispiele, etwa wenn der Handelnde aus Pflichtgefßhl heraus handelt, obwohl er eine viel stärkere Begierde hat, etwas anderes zu tun.cite-ref-55[55] Eine Argumentationslinie besagt, dass es einen wichtigen Unterschied zwischen der Motivation auf der Grundlage einer Begierde und einer Handlungsabsicht gibt: Eine Absicht beinhaltet eine Art Verpflichtung oder Identifikation mit dem beabsichtigten Handlungsverlauf.cite-ref-miller-20-3[20] Dies geschieht auf der Seite des Handelnden und ist bei regulären Begierden nicht vorhanden. Dieser Ansatz kann mit der Ansicht kombiniert werden, dass Begierden aufgrund ihrer Stärke irgendwie zur Bildung von Absichten beitragen.cite-ref-mele7-18-4[18] Es wurde argumentiert, dass diese Unterscheidung fßr den Unterschied zwischen menschlicher Handlungsfähigkeit und tierischem Verhalten wichtig ist. Nach dieser Ansicht folgen Tiere automatisch ihrer stärksten Begierde, während menschliche Akteure gemäà ihrer Absicht handeln, die mit ihrer stärksten Begierde ßbereinstimmen kann oder auch nicht.cite-ref-miller-20-4[20]
intrinsische-motivation
Quellen der Motivation
John Barbuto und Richard Scholl unterscheiden zwischen zwei intrinsischen und drei extrinsischen Quellen der Motivation. Die Autoren untersuchten die bedeutendsten Motivationstheorien seit Abraham Maslow (1954) und entwickelten daraus das Konzept der âFĂźnf Quellen der Motivationâ.cite-ref-barbuto1998-56-0[56] Grundlage ist der Ansatz der âDrei GroĂenâ Motive (Big Three) von David McClelland. Bei diesen Motiven handelt es sich um das Macht-, ZugehĂśrigkeits- und Leistungsmotiv.cite-ref-57[57] Die nebenstehende Grafik veranschaulicht den Kerngedanken der Motivationstheorie von McClelland.
McClelland ist es an der Harvard Medical School gelungen, nachzuweisen, dass die Anregung dieser Motive mit der AusschĂźttung bestimmter Neurotransmitter verbunden ist:
⢠bei Anregung des Leistungsmotivs werden Vasopressin und Arginin ausgeschßttet.cite-ref-doi10-1007-bf02260672-60-0[60]
Diese neurologischen Prozesse sind ein Beleg fĂźr die empirische Existenz dieser Motive. Zu den weiteren Theorien, die Barbuto und Scholl herangezogen haben, gehĂśren die Ansätze von Frederick Herzberg (1968), Albert Bandura (1986) oder von Daniel Katz und Robert L. Kahn (1978). Ausgehend von diesen Ansätzen entwickeln und validieren die Autoren einen Test (Inventar) zur Messung dieser, wie sie es nennen, âQuellen der Motivationâ mithilfe einer Unabhängigkeitsanalyse. Sie basiert auf einer Stichprobe von 156 Probanden und einem Pool von 60 Items, die durch Expertenurteile validiert wurden (face validity). Das Ergebnis der Studie ist eine Typologie von fĂźnf Motivationsquellen â zwei intrinsischen und drei extrinsischen.
Intrinsische Motivation bezeichnet das Handeln aus inneren Antrieben heraus. Dazu gehÜren persÜnliche Interessen, oder kreative und kßnstlerische Neigungen und Herausforderungen.cite-ref-61[61] Intrinsisch motivierte Personen beziehen ihre Motivation aus der Tätigkeit oder Aufgabe heraus.cite-ref-62[62] Bei der extrinsischen Motivation erbringen Menschen bestimmte Leistungen, weil sie sich davon einen Vorteil (Belohnung) versprechen oder Nachteile (Bestrafung) vermeiden wollen.cite-ref-63[63]
Die fĂźnf Motivationsquellen nach Barbuto und Scholl lassen sich wie folgt beschreiben:cite-ref-64[64]
Extrinsische Quellen
Instrumentelle Motivation (instrumental motivation): Das Verhalten dieser Menschen ist im Wesentlichen geleitet von der Aussicht auf konkrete Vorteile oder Belohnungen von auĂen (extrinsisch). Beispielsweise mĂśchte der Musiker Geld verdienen, der Verkäufer sieht seine derzeitige Tätigkeit (bzw. die Umsatzsteigerung) als Zwischenschritt auf der Karriereleiter in die GeschäftsfĂźhrung und der Autor hofft darauf, einen Bestseller zu schreiben oder berĂźhmt zu werden. Diese Quelle der Motivation hat einen starken Bezug zum Machtmotiv.cite-ref-barbuto1998-56-1[56] Externes Selbstverständnis (external self concept): Die Quelle des Selbstverständnisses und die Idealvorstellung kommen in diesem Falle primär aus der Rolle und den Erwartungen des Umfeldes. Beispielsweise Ăźbernimmt der StĂźrmer in einer Mannschaft bestimmte Aufgaben oder Rollen, die er so gut wie mĂśglich bewältigen mĂśchte. Das Gleiche gilt fĂźr den Konzertpianisten als Orchestermitglied oder den idealen Manager im Rahmen einer gegebenen Unternehmenskultur. Zu dieser Quelle der Motivation gehĂśrt das ZugehĂśrigkeitsmotiv.cite-ref-barbuto1998-56-2[56] Internalisierung von Zielen (goal internalization): Die Personen dieser Gruppe machen sich die Ziele der Organisation oder des Unternehmens zu eigen. Der Manager mĂśchte einen Beitrag zur Verwirklichung der Mission des Unternehmens leisten, der Personalleiter mĂśchte einen Beitrag dazu leisten, dass es im Unternehmen gerechter zugeht und der Verkäufer strengt sich an, weil er der Ăberzeugung ist, dass der Vertrieb die wichtigste Funktion im Unternehmen ist, ohne die das Unternehmen am Markt nicht Ăźberleben kann. Hier ist eine Kombination aus ZugehĂśrigkeits- und Leistungsmotiven im Spiel. Die nebenstehende Grafik soll das Gesagte zusammenfassend veranschaulichen.cite-ref-barbuto1998-56-3[56]
Intrinsische Quellen
Intrinsische Prozessmotivation (intrinsic process): Das besondere Merkmal dieser Motivation besteht darin, dass jemand eine Aufgabe um ihrer selbst willen bewältigt. Beispiel: Ein Musiker spielt mit Begeisterung Gitarre, ein Controller wertet intensiv Statistiken aus, ein Autor schreibt Artikel fĂźr Wikipedia oder ein Verkäufer fĂźhrt engagiert Gespräche mit Kunden, einfach weil es ihnen SpaĂ macht. Sie denken gar nicht lange darĂźber nach, warum sie das machen und welche Vorteile oder Belohnungen sie dafĂźr bekommen.cite-ref-barbuto1998-56-4[56] Internes Selbstverständnis (internal self concept): Das Verhalten und die Werte dieser Personengruppe orientieren sich an internen Standards und MaĂstäben. Sie haben, meistens aus nicht mehr nachvollziehbaren oder unbewussten GrĂźnden, eine Idealvorstellung als Leitlinie ihres Handelns verinnerlicht. So geht es dem Controller wie dem Musiker, Chirurgen, Verkäufer oder Journalisten, die etwas nach ihren Vorstellungen bewirken mĂśchten. Bei dieser Quelle der Motivation ist das Leistungsmotiv besonders stark angeregt.cite-ref-barbuto1998-56-5[56]
Eine kritische ĂberprĂźfung des Modells der fĂźnf Quellen der Motivation von John Barbuto und Richard Scholl mit einer Onlinebefragung im deutschsprachigen Raum mit 676 Probanden machte eine Modifikation des Modells notwendig. Die Faktorenanalyse ergab zwei intrinsische und zwei extrinsische Quellen (Skalen mit Items als Beispiele).cite-ref-65[65] Die Quellen der intrinsischen Motivation sind (1) die Aufgabe selbst; Beispiel-Item: Sich in eine interessante Aufgabe vertiefen zu kĂśnnen, die mir SpaĂ macht, ist mir wichtiger als ein hohes Einkommen, Status oder Macht und (2) die Person; Beispiel-Item: Entscheidend ist fĂźr mich, dass ich an der Verwirklichung meiner persĂśnlichen Werte und Ziele (Vision) arbeiten kann. Die Quellen der extrinsischen Motivation sind (1) (materielle) Anreize: Im Zweifelsfall entscheide ich mich fĂźr eine Aufgabe, bei der ich mein Einkommen oder meine berufliche Stellung verbessern kann und (2) das Umfeld (Lob, Anerkennung und Wertschätzung): Es ist mir besonders wichtig, dass meine Arbeit durch meine Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden als sehr wichtig eingeschätzt und anerkannt wird.
Varianten der intrinsischen Motivation
Der Gebrauch von intrinsischer/extrinsischer Motivation war 2010 in der Fachliteratur leider âunklar und wechselndâ.cite-ref-1-9-1[9] Falko Rheinberg unterschied 2010 deshalb vier Definitionen der intrinsischen Motivation:cite-ref-1-9-2[9]cite-ref-66[66]
Intrinsisch als in der Tätigkeit begrßndet
Der erstmalige Gebrauch des Begriffes intrinsische Motivation im Sinne des Anreizes in der Tätigkeit selbst fand 1918 bei Woodworth statt. Er folgte der Annahme, dass nur durch diesen Anreiz eine Tätigkeit ungezwungen und effektiv ausgeĂźbt werden kĂśnne (Âťactivity running by its own driveÂŤ, Woodworth, 1918, S. 70). Ein Beispiel einer solchen Strukturorientierung bei der Verankerung von Anreizen findet sich bei Karl BĂźhler (1922). Im Anschluss an seine entwicklungspsychologischen Beobachtungen spricht er von âFunktionslustâ und âSchaffenslustâ während der Tätigkeit. Rheinberg nennt dies auch tätigkeitszentrierte â im Gegensatz zu zweckzentrierter â Motivation.
Intrinsische Motivation als BedĂźrfnis nach Selbstbestimmung und Kompetenz
Diese Definition entstammt der Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan, der zufolge intrinsische Motivation auf Kompetenz und Selbstbestimmung basiert, wobei Deci und Ryan intrinsische Motivation in verschiedenen Phasen unterschiedlich verwendeten. In der frßhen Phase gelten Kinder als intrinsisch motiviert, wenn sie eine Tätigkeit ausßben, ohne eine Belohnung fßr diese Tätigkeit zu erhalten. In der mittleren Phase entwickelten Deci und Ryan die sogenannte Cognitive Evaluation Theory. Die Quelle intrinsischer Motivation liegt hiernach im eigenen Selbst und tritt ein, wenn sich das Selbst als kompetent erlebt (Kompetenzerleben) und Freiraum hat, selbst zu entscheiden (Autonomie). Diese Theorie greift auf das Autonomiebedßrfnis von deCharms (1968) und auf das Kompetenzbedßrfnis von White (1959) zurßck. In der dritten und letzten Phase wird das Bedßrfnis nach sozialer Eingebundenheit miteinbezogen, das schlussendlich zur Self-Determination-Theory fßhrte.
Intrinsische Motivation als Interesse und Involviertheit
Fasst man intrinsische Motivation â wie Woodworth â nur als tätigkeitszentrierte Motivation, mĂźsste interessiertes Lernen häufig als extrinsisch motiviert klassifiziert werden. Denn der Wissenszuwachs ist hier das angestrebte Ergebnis. Deshalb entschied sich die Bildungspsychologie â beispielsweise Ulrich Schiefele â fĂźr einen anderen Begriff von intrinsischer Motivation. Lernen sei intrinsisch motiviert, wenn der Lernende sich fĂźr den Lerngegenstand interessiert â dann wird das Lernen als selbstbestimmt/selbstintentional erlebt. In diesem Fall kann der Lerngegenstand auch von anderen herangetragen sein oder die Person kann auch zweckzentriert auf Lerngewinn hinarbeiten.
Intrinsisch als Ăbereinstimmung von Mittel und Zweck
Als Grundlage fĂźr die letzte Definition dient das Ăbereinstimmungskonzept von Arie Kruglanski und Heckhausen. FĂźr die intrinsische Motivation ist entscheidend, dass zwischen Tätigkeit und Ziel eine inhaltliche Beziehung entsteht. Hierbei unterschieden Shah und Kruglanski zwischen spezifischen Handlungszielen (Âťspecific target goalsÂŤ) und allgemeineren Zielen (Âťabstract purpose goalsÂŤ) (Shah & Kruglanski, 2000, S. 114). âEine Studentin liest hoch engagiert einen Artikel (=Handlung), weil sie einen Sachverhalt verstehen will (=Ergebnis). Sie will diesen Sachverhalt deshalb verstehen, weil sie hofft, damit ein schwieriges Problem besser lĂśsen zu kĂśnnen (=Folgen)â.cite-ref-1-9-3[9] Heckhausen spricht hierbei von âintrinsischer Leistungsmotivationâ, die er von einer âextrinsischen Leistungsmotivationâ unterscheidet, die sich auf Noten oder ĂberlegenheitsgefĂźhl bezieht. Shah und Kruglanski unterscheiden zusätzlich noch Ăquifinalität, viele Wege fĂźhren zu einem Ziel, und Multifinalität, eine Handlung kann viele Ziele haben. Nach ihnen kĂśnnen sowohl Ăquifinalität als auch Multifinalität die intrinsische Motivation senken.
Zusammenhang von intrinsischer und extrinsischer Motivation
Intrinsische Motivation kann durch extrinsische Belohnungen zerstĂśrt werden: Wenn ein Verhalten fast nur durch äuĂere Anreize (Anweisungen, Belohnung) gesteuert wird, sinkt die innere Beteiligung, da so das GefĂźhl der Selbstbestimmung unterminiert wird. Dadurch kann die Selbstmotivierungsfunktion, derentwegen die Freude als eine der Tätigkeit selbst entspringende erlebt wird (Flow), auĂer Kraft gesetzt werden (sog. Korrumpierungs- oder Overjustification-Effekt).cite-ref-67[67] Dass dieser Effekt generell oder sogar Ăźberhaupt auftritt, ist jedoch umstritten.cite-ref-2-68-0[68] Empirisch gesichert ist er nur, wenn 1. die Tätigkeit interessant ist, 2. materiell belohnt wird (nicht nur durch Lob) und 3. diese Belohnung erwartet wird.cite-ref-2-68-1[68]
Motivation im Verhältnis, Erwartung und Anreiz
Ansätze der Anreiztheorie
In den anreiztheoretischen Ansätzen wird dem Lebewesen zugesprochen, dass es vorausblicken und sein Verhalten an den Zielsetzungen ausrichten kann. Diese Zielzustände sind in Verbindung zu setzen mit einer Bekräftigung des Verhaltens. Eine Koppelung dieser Anreize mit positiven oder negativen Affekten und der Vorwegnahme dieser entsprechenden Affekte, beeinflussen dann das Verhalten. âSituative Reize, die auf affektiv besetzte Zielzustände verweisen, werden auch Anreize genannt.âcite-ref-0-69-0[69]
Da die Motivation die Verfolgung von Zielzuständen zu Grunde liegen hat, ist der Anreiz, als situativer Reiz, nun genauer zu erklären und bedingt die Motivation in zwei Punkten. Diese sind die MÜglichkeit, dass der Zielzustand im Voraus zu erkennen ist und/oder dass eine persÜnliche Bedeutung in diesem erfassbar ist. Die erste Theorie, in der diese Idee des Anreizes genauer entwickelt wurde, ist Lewins Feldtheorie, dennoch gibt es auch hier verschiedene MÜglichkeiten, die Theorie des Anreizes zu betrachten. Tolman (1951) hat hierbei versucht, die Begriffe der Erwartung und des Anreizes als hypothetische Konstrukte hervorzuarbeiten. Er gibt an, dass diese als Vermittler auf kognitiver Ebene, zwischen der Situation und dem Verhalten, agieren. Sein Schwerpunkt lag hierbei vor allem auf der deutlichen Darstellung, dass eine flexible Zielgerichtetheit des Verhaltens bisher noch nicht erklärt werden konnte. Er legte so auch die Grundsteine fßr das latente Lernen und die Unterscheidungslinie zwischen Motivation und Lernen. Diese Annahme erlangte er vor allem, in dem er davon ausging, dass die Bekräftigung nur klärt, ob das Gelernte ausgefßhrt wird und dies entsprechend der Vorhersehbarkeit der Aktion, in Bezug auf den gegebenen Anreiz, vorhanden ist. Die daraus folgenden Entwicklungen fßhrten dazu, dass nun aus der Bekräftigungstheorie eine Veränderung hin zur Anreiztheorie erkennbar war. Diese Entwicklung fßhrte so weit, dass Mowrer (1960) den Anreizen auch alles das zuschrieb, was bisher bei den Trieben gesehen wurde.
Die folgenden Jahre der Forschung beschäftigten sich nun mit der weiteren Erforschung der Anreiztheorien. Dies fßhrte dazu, dass die Bekräftigung immer stärker hinterfragt und ersetzt wurde. Das letztliche Ergebnis stellt hierbei einen Verlust der Reiz-Reaktions-Verbindung dar und die Aufnahme des neuen Begriffs der Erwartung, welcher an deren Stelle tritt. Bolles (1972) entwickelte zwei Grundtypen der Erwartungen, die Erste, die Situations-Folge-Kontingenzen (S-S*) und die Zweite, die Reaktions-Folge-Kontingenzen (R-S*) stellen bis heute die Grundlagen der Forschung. Durch diese neue Typenbestimmung entstand die Annahme, dass Motivation als eine Funktion von Erwartung und Wert darzustellen ist.cite-ref-0-69-1[69]
Situative Parameter der Motivation
Die behavioristischen Lerntheorien sehen die Situation, in der sich eine Person befindet, als Ausgang fßr seine Motivation. Sie enthalten hierbei die Informationen zu der Einschätzung, in der geklärt wird, wie hoch der benÜtigten Arbeitsaufwandes zur Erreichung des Zielzustandes ist. Diese Situationen enthalten wiederum Reize, welche zu subjektiven Repräsentationen von Anreiz und Erwartung ßberleiten.cite-ref-0-69-2[69]
Der Anreiz, Konzepte und Vorgehen
âDefinition: Anreiz ist ein Konstrukt, das situative Reize bezeichnet, die einen Motivationszustand anregen kĂśnnen. Im Kern dieses Konstruktes stehen dabei affektive Reaktionen, die einen grundlegende (basale) Bewertung vornehmen.âcite-ref-0-69-3[69]
Wie an dieser Definition erkennbar, kann eine Lerngeschichte dazu beitragen, dass ein Reiz zu einem Anreizcharakter gelangt, in dem das entsprechende Objekt der Situation mit einem Affekt verbunden wird. Die Erfahrungen sind hierbei von groĂer Aussage bezĂźglich der Reaktion, welche folgt. Lernen allein ist aber nicht der AuslĂśser fĂźr eine solche Veränderung, sondern nur einer Variable, welche ersetzt werden kann (Rezeptoren des KĂśrpers als Ausgang einer Erfahrung). Der Anreizwert hängt hierbei mit dem Wert des Objekts zusammen, welches als situativer Reiz wahrgenommen wird. Dadurch hat ein Objekt mit einem positiven Affekt auch einen positiven Anreizwert und ein Objekt mit einem negativen Affekt auch einen negativen Anreizwert. Bei all diesen gesamten Themen ist jedoch zu beachten, dass der Begriff des Anreizes, gleich wie der der Erwartung, unter Motivationstheoretikern als hypothetisch angesehen wird und dieser sich in der Art der Anwendung, zwischen den Theoretikern, stark unterscheidet. In allen Annahmen ist jedoch der Anreiz als ein Handeln im energetischen Sinne zu verstehen. Er zieht das Objekt somit, Ăźber räumliche und zeitliche Distanz hinweg, an. Dennoch ist die Energie des Anreizes nicht unabhängig von dem organischen Zustand der Person. Diese Zustände kĂśnnen hier, so Toates (1986), als Mediator wirken. So wird beispielsweise die Toleranz von Trinkbarem immer hĂśher, je mehr Durst der organische Zustand vorgibt. Die Wertung des Trinkbaren im Allgemeinen wird dadurch jedoch nicht erhĂśht. Schneider und Schmalt (1994, S. 16) haben dies verdeutlicht, indem fĂźr sie die Motive und Anreize eng miteinander verbunden sind âSituative Anreize kennzeichnen die konkreten Motivziele, die angestrebt oder auch vermieden werden kĂśnnen. Motive bezeichnen dagegen die individuell unterschiedlich ausgeprägten Bewertungsdispositionen fĂźr Klassen dieser Ziele.âcite-ref-0-69-4[69]
Die Erwartung, Konzept der Forschung
Die Erwartung ist neben dem Anreiz eine weitere MĂśglichkeit, welche in dem Motivationsgeschehen vorgegeben ist. Sie beinhaltet hierbei âdie wahrgenommene Chance, dass sich aus einer Situation ein bestimmter Zielzustand ergibt.âcite-ref-0-69-5[69] Diese Erwartung wird in der Forschung jedoch stark diskutiert, da einige Forscher davon ausgehen, dass sie von auĂen nicht beobachtbar ist und dadurch erschlossen werden muss. Der Unterschied der Forscher liegt hierbei vor allem darin, dass einige die Erwartung als Grundlage zur ĂberprĂźfung von davor gelerntem anwenden.cite-ref-0-69-6[69]
Anreiz und Erwartung
Die Vorstellung des Philosophen Blaise Pascal (1623â1662) ging davon aus, dass eine Erklärung von Verhalten nur durch eine VerknĂźpfung zwischen Wert (Anreiz) und Erwartung gegeben werden kann. Diese VerknĂźpfung wird dann zusätzlich in verschiedenen Dimensionen gedacht. Die nicht benĂśtigte Bewusstheit des Werts und/oder der Erwartung ist hierbei ausschlaggebend fĂźr weitere Forschung und fĂźhrt dadurch auch zur Erklärung, dass sie fĂźr das tierische Verhalten herangezogen werden kann.
Forschungsfelder sind hierbei die Erwartungs-Wert-Theorie und in Teilen Lewins Feldtheorie.cite-ref-0-69-7[69]
Inhalts- und Prozessmodelle der Motivation
Inhaltsmodelle kÜnnen von Prozessmodellen unterschieden werden. Während Inhaltsmodelle menschliches Verhalten allein aus bestimmten psychischen Inhalten erklären, fßhren Prozessmodelle das Verhalten auch auf bestimmte physische Vorgänge zurßck.
Inhaltsmodelle
Diese Modelle beschäftigen sich mit Inhalt, Art und Wirkung von Motiven. Eine Taxonomie von Motiven wird geboten und bestimmt, nach welchen GesetzmäĂigkeiten welche Motive verhaltensbestimmend werden.
⢠Humanistische Psychologie:
⢠Die ERG-Theorie von Clayton P. Alderfer (Existence â Relatedness â Growth)
⢠Human-Scale-Development von Manfred A. Max-Neef
⢠Allgemeine Psychologie:
⢠Arbeitspsychologie:
⢠Die Theorien X und Y von Douglas McGregor
⢠Die Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg
⢠Die Theorie von Mausner & Snyderman
⢠Ăkonomische und nicht-Ăśkonomische Motivatoren am Beispiel des Betrieblichen Vorschlagswesenscite-ref-70[70]
Prozessmodelle
Diese Modelle versuchen zu erklären, wie Motivation formal und losgelÜst von Bedßrfnisinhalten entsteht und auf das Verhalten wirkt. Das Ziel des Verhaltens ist unbestimmt, aber das Individuum will den subjektiv erwarteten Nutzen maximieren.
⢠Gleichgewichtstheorien (z. B. das Zßrcher Modell der sozialen Motivation von Norbert Bischof)
⢠Das Zirkulationsmodell Lyman W. Porter und Edward E. Lawler â siehe Abschnitt âGeschichteâ
⢠Das Erweiterte Kognitive Motivationsmodell von Heinz Heckhausen
⢠Die Equity-Theorie von John Stacey Adams (1965)
⢠Das Selbstbewertungsmodell der Leistungsmotivation von Heinz Heckhausen (1972/1975)
⢠Die Theorie der Selbstregulation von Bandura (1991)
⢠Das ganzheitliche Prozessmodell der Leistungsmotivation von Guido Breidebach (2012)
⢠Die Motivationstheorie von Pritchard und Ashwood (2008)
Motivationale Grßnde und Rationalität
Motivationale GrĂźnde (motivational reasons) sind praktische GrĂźnde, die ein Handelnder hat, um eine bestimmte Handlungsweise zu bevorzugen. Sie werden mit normativen GrĂźnden (normative reasons) kontrastiert, die bestimmen, was der Handelnde aus unparteiischer Sicht tun soll.cite-ref-alvarez-71-0[71] Zum Beispiel leidet Jane an Bluthochdruck, was ein normativer Grund ist, kein groĂes StĂźck Schokoladenkuchen zu essen. Der gute Geschmack des Kuchens hingegen ist Janes motivierender Grund, trotzdem eine Portion zu essen. Man kann normative GrĂźnde haben, ohne sich ihrer bewusst zu sein, was bei motivierenden GrĂźnden nicht der Fall ist.cite-ref-miller-20-5[20] Unbewusste Zustände kĂśnnen jemandes Verhalten auf verschiedene Weise beeinflussen. Aber diese Zustände und ihre Inhalte gelten in solchen Fällen nicht als motivierende GrĂźnde.cite-ref-miller-20-6[20] Im weitesten Sinne gibt es Formen der Motivation, die keine motivierenden GrĂźnde beinhalten.cite-ref-gale-51-1[51] Ein zweiter Unterschied besteht darin, dass normative GrĂźnde faktiv sind, während motivierende GrĂźnde den Handelnden täuschen kĂśnnen.cite-ref-alvarez-71-1[71]cite-ref-miller-20-7[20] Bluthochdruck zu haben, kann also fĂźr Jane nur dann ein normativer Grund sein, wenn sie tatsächlich Bluthochdruck hat. Aber der gute Geschmack des Kuchens kann auch dann ein motivierender Grund sein, wenn der Kuchen gar nicht gut schmeckt. In diesem Fall beruht die Motivation auf einem falschen Glauben.cite-ref-alvarez-71-2[71] Aber im Idealfall stimmen motivierende GrĂźnde und normative GrĂźnde Ăźberein: Der Handelnde wird durch Tatsachen motiviert, die bestimmen, was er tun soll.
Ein eng damit verbundenes Thema betrifft die Beziehung zwischen dem, was man tun zu sollen glaubt, dem sogenannten Sollensglauben (ought-belief), und dem, wozu man motiviert ist oder was man tatsächlich zu tun beabsichtigt.cite-ref-miller-20-8[20]cite-ref-meleprecis-16-2[16]cite-ref-southwood-72-0[72] Der Philosoph John Broome behauptet, dass diese Beziehung den Kern der enkratischen Rationalität ausmacht: âRationalität verlangt von einem, dass man, wenn man glaubt, dass man F tun sollte, man auch beabsichtigt, F zu tunâ. Er ist der Meinung, dass der Prozess des Ăberlegens dafĂźr verantwortlich ist, die Absichten mit dem Sollensglauben in Einklang zu bringen.cite-ref-southwood-72-1[72]cite-ref-73[73]cite-ref-74[74] Die Anforderungen der Rationalität werden nicht immer erfĂźllt, was zu Fällen von Irrationalität fĂźhrt. Man sagt, dass eine Person an Akrasia oder Willensschwäche leidet, wenn sie die enkratische Anforderung nicht erfĂźllt, d. h. wenn sie etwas anderes tut, als was sie glaubt tun zu sollen.cite-ref-lee-75-0[75]cite-ref-76[76] Ein Autor, der glaubt, an seinem neuen Buch arbeiten zu sollen, aber stattdessen fernsieht, ist ein Beispiel fĂźr Akrasia. Acedia ist ein eng verwandtes Phänomen, bei dem der Handelnde glaubt, dass es etwas Wichtiges zu tun gibt, ihm aber wegen Lustlosigkeit jegliche Motivation fehlt, diese Handlung auszufĂźhren.cite-ref-miller-20-9[20]cite-ref-77[77]
Anwendungen von Motivationstheorien
Motivationstheorien spielen in vielen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Beispiele sind:
⢠Soziale Beziehungen: Einsicht in die Beweggrßnde des Verhaltens anderer Menschen als Grundlage fßr gemeinsame Vorhaben und Partnerschaften.
⢠Konsumentenverhalten: Die Frage, auf welcher Basis Menschen Konsumentscheidungen treffen, ist eng mit der Frage nach Kaufmotiven (wie Statusdemonstration oder GruppenzugehÜrigkeit) verknßpft.
⢠Verkaufspsychologie: Erfassung fremder Bedßrfnisse zwecks der gezielten Anpassung des Angebots an die Kunden.
⢠Handelspsychologie: Die Verknßpfung von Fßhrungs-, Verkäufer- und Käufermotivation und die Beseitigung von (in store-)Stressoren stellen fßr modernes psychologisch orientiertes Handelsmanagement zunehmend wichtige Erfolgsfaktoren dar.
⢠Arbeits- und Organisationspsychologie: Die Motivation der Mitarbeiter ist häufig ein entscheidender Faktor fßr die Produktivität eines Unternehmens oder einer BehÜrde.
⢠Gesundheitspsychologie: Motivationale Faktoren haben Einfluss auf präventives Gesundheitsverhalten und auf die Compliance.
⢠Klinische Psychologie: Motivationale Faktoren werden zur Erklärung psychischer StÜrungen, z. B. der Depression, herangezogen.
⢠Pädagogische Psychologie: Die Motivation von Schßlern und Lehrern hat Auswirkungen auf den Lernerfolg.
⢠Sportpsychologie: Die Motivation von Sportlern hat Auswirkungen auf die Leistung.
⢠Lernen durch Lehren (LdL): Bedßrfnistheoretisch begrßndete Unterrichtsmethoden.
⢠Managementlehre: Motivation von Mitarbeitern und Gestaltung der Unternehmenskultur.
Arbeitsmotivation
Ein wichtiger Faktor bei der Arbeitsleistung und Arbeitsqualität ist die Arbeitsmotivation. Nach der Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg beeinflussen Motivatoren die Arbeitsmotivation und damit die Arbeitsleistung und kommen schwerpunktmäĂig aus dem Arbeitsinhalt. Neben Anerkennung, Erfolgserlebnis, Aufstiegsperspektive, Entwicklungschancen und Verantwortung ist Herzberg zufolge der Arbeitsinhalt ein wichtiger Motivator.cite-ref-78[78] FĂźr die Mitarbeiter ergibt sich beim One-Piece-Flow durch die grĂśĂeren, vielleicht vollständigen Arbeitsinhalte eine erhĂśhte Arbeitsmotivation (siehe Arbeitsstrukturierung). Ob eine Arbeit monoton oder abwechslungsreich ist, zielt auf den Arbeitsinhalt ab, der eine Bedingung von Zufriedenheit (konkret Arbeitszufriedenheit) oder Unzufriedenheit darstellt.cite-ref-79[79] Monotone Arbeitsinhalte, die insbesondere durch Spezialisierung und tayloristische Arbeitsteilung entstanden sind (wie Akkordarbeit), fĂźhren zu Unzufriedenheit. Sie sind durch eine inhaltlich gleichfĂśrmige Arbeitsaufgabe gekennzeichnet, die nur geringe Anforderungen stellt, und dennoch anhaltende Konzentration verlangen kann. Jobenrichment als vertikale Umstrukturierung der Arbeitsinhalte soll der Monotonie mittels Erweiterung des Arbeitsinhalts durch zusätzliche Planungs- oder Kontrollfunktionen entgegenwirken, Jobenlargement durch horizontale Erweiterung des Inhalts in Form von zusätzlichen Aufgaben von Nachbargebieten.
Beim Management by Motivation steht die Motivation der Mitarbeiter durch den Vorgesetzten im Mittelpunkt. Dabei wird die Arbeitsaufgabe durch die Fßhrungskraft so gestaltet, dass sich Mitarbeiter mit ihr und den Unternehmenszielen identifizieren kÜnnen.cite-ref-80[80] Auf diese Weise kann eine hohe Arbeitsproduktivität und Arbeitszufriedenheit erreicht werden, weil das Erreichen der Unternehmensziele gleichzeitig auch die persÜnlichen Ziele der Mitarbeiter erfßllt.cite-ref-81[81]
Motivation im Sport
Sportliche Leistungsmotivation ist eine zentrale Variable zur Erklärung sportlicher Leistungen.cite-ref-frintrupschuler-82-0[82] Sie kann (ergänzend zu physiologischen Parametern) die Unterschiede der Leistungen von Sportlern aufklären.
Zur Messung sportbezogener Motivation liegen im deutschsprachigen Raum drei Verfahren vor: AMS Sport,cite-ref-83[83] SOQ Sport Orientation Questionnairecite-ref-84[84] und der Sportbezogene Leistungsmotivationstest SMT.cite-ref-frintrupschuler-82-1[82] Zu letzteren Verfahren liegen sportpsychologische Validierungsuntersuchungen vor, die inkrementelle Validität Ăźber AMS Sport und SOQ ausweisen (die inkrementelle Validität des SMT beträgt je nach Kriterium und Sportart bis zu ÎR² 0,17 resp. ÎR² 0,16). Die kriterienbezogene Validität der Einzelverfahren betragen (jeweils unkorrigiert) R=0,55 (SMT), R=0,24 (AMS) und R=0,41 (SOQ)cite-ref-85[85]cite-ref-86[86] Hierdurch wird der nachhaltige Nutzen einer sportpsychologischen Motivationsdiagnostik jenseits der Verwendung rein physiologischer Leistungsprädiktoren dokumentiert.
Analogie zwischen Motivation und Energie
Nur aus validen, erklärenden Theorien lassen sich praktische Handlungsempfehlungen fĂźr die Motivation von Menschen ableiten.cite-ref-87[87] Einen naturwissenschaftlichen Beitrag dazu liefern die Neurowissenschaften. Hier gilt die Motivation als eine Art Triebkraft oder Energie fĂźr zielgerichtetes Verhalten.cite-ref-88[88] Diese Triebkraft kann man mit einer Energiequelle vergleichen. Man spricht auch von Handlungsbereitschaft.cite-ref-89[89] Diese muss zunächst ausgelĂśst (aktiviert) werden. Zu dieser aktivierenden muss eine zweite Art der Energie hinzukommen. Sie ist notwendig, um Handlungen bis zum Abschluss (Zielerreichung) aufrechtzuerhalten. Der Fachbegriff dafĂźr heiĂt Volition.cite-ref-90[90] In der Alltagssprache nennt man dies auch DurchhaltevermĂśgen oder Willenskraft.
Bei den âEnergiequellenâ handelt es sich um die oben beschriebenen Quellen der intrinsischen und extrinsischen Motivation, die man zunächst aktivieren (auslĂśsen) muss. Diesem Konzept von John Barbuto und Richard Scholl liegt die Theorie zugrunde, wonach diese Motivationsquellen mit bestimmten Hormonen zusammenhängen.cite-ref-91[91] Die Autoren haben auch ein Inventar zur Messung dieser Motive vorgeschlagen und damit einen wichtigen Beitrag zur Validierung geleistet. Ihr Ansatz ist eine FortfĂźhrung der Theorie der drei SchlĂźsselmotive von David McClelland (siehe dazu die Grafik weiter oben).cite-ref-92[92]
Nachdem ein Motiv ausgelĂśst wurde, sind bestimmte (erlernbare) Fähigkeiten notwendig, damit die Energie bis zur Zielerreichung aufrechterhalten bleibt. Nach Roy Baumeister handelt es sich um Willenskraft, die er als âerschĂśpfbareâ Ressource interpretiert. Man kann sie jedoch durch entsprechendes Training â vergleichbar mit einem Muskeltraining â regenerieren und somit stärken.cite-ref-93[93] Nach einer empirischen Studie mit 5.631 Teilnehmern von Waldemar Pelz lässt sich diese Willenskraft (Fachbegriff: Volition) durch Veränderung bestimmter Verhaltensgewohnheiten stärken: Reduzierung Energie zehrender und Ausbau Energie spendender Gewohnheiten.cite-ref-94[94] Die nebenstehende Grafik zeigt einige Beispiele fĂźr derartige Verhaltensgewohnheiten.
Siehe auch
Literatur
⢠Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit â Warum wir von Natur aus kooperieren. 7. Auflage. Heyne, 2014.
⢠R. F. Baumeister u. a. (Hrsg.): Handbook of Self-Regulation. New York 2004.
⢠R. J. Clay: A Validation Study of Maslowâs Hierarchy of Needs Theory. Research Report, 1977.
⢠Edward L. Deci, Richard M. Ryan: Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung fĂźr die Pädagogik. In: Zeitschrift fĂźr Pädagogik. Heft 39, 1993, S. 223â239.
⢠Edward L. Deci, Richard M. Ryan: Self-Determination Theory: A Macrotheory of Human Motivation, Development, and Health. In: Canadian Psychology. Band 49, 2008, S. 182â185.
⢠L. Deckers: Motivation â Biological, Psychological, and Environmental. 2. Auflage. Pearson, Boston 2005, ISBN 0-205-40455-3.
⢠J. P. Forgas u. a.: Psychology of Self-Regulation. New York 2009.
⢠Jutta Heckhausen; Heinz Heckhausen: Motivation und Handeln. 4. Auflage. Berlin 2010.
⢠Heinz Heckhausen, J. Heckhausen: Motivation und Handeln. Springer, Berlin 2006, ISBN 3-540-25461-7.
⢠Hermann Hobmair (Hrsg.): Pädagogik, Psychologie fĂźr die berufliche Oberstufe. Band 1, Bildungsverlag EINS, Troisdorf 1998, ISBN 3-8237-5025-9, S. 168â201.
⢠Hugo Kehr: Motivation und Volition. Hogrefe, GÜttingen 2004, ISBN 3-8017-1821-2.
⢠J. Kuhl: Motivation und PersÜnlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme. Hogrefe, GÜttingen 2001, ISBN 3-8017-1307-5.
⢠C.-H. Lammers: Emotionsbezogene Psychotherapie. Stuttgart 2007.
⢠E. A. Locke, G. P. Latham: What Should We Do About Motivation Theory? Six Recommendations for the Twenty-First Century. In: Academy of Management Review. Band 29, Nr. 3, 2004.
⢠D. A. Ondrack: Defense Mechanisms and the Herzberg Theory: An Alternate Test. In: Academy of Management Review. Band 17, 1974.
⢠M. McKay u. a.: Gedanken und Gefßhle, Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie. Paderborn 2009.
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